Moskauer Portal international

Die Moskauer Luft wird reiner

Moskau verfügt über eine entwickelte Verkehrsinfrastruktur. Eine tragende Rolle spielen die drei Verkehrsringe Gartenring (Sadowoje kolzo), Dritter Verkehrsring (Tretje transportnoje kolzo) und Moskauer Ringaustobahn (MKAD). Gegenwärtig befindet sich der Vierte Verkehrsring in Bau. Auch im Moskauer Gebiet ist der Bau der Zentralen Ringautobahn (ZKAD) geplant, die die Moskauer Ringautobahn vom Transitverkehr entlasten soll. In der Stadt sind über 3 Mio. Einzelfahrzeuge angemeldet, so dass der Motorisierungsgrad mittlerweile 339 Autos pro 1 000 Einwohner überschritten hat, was unter Berücksichtigung des Verkehrsaufkommens aus anderen Regionen zu Verkehrsproblemen in der Stadt führt.

Unmengen von Autos verschmutzen die Stadtluft mit Auspuffgasen. Die Moskauer Stadtregierung versucht, dieses Problem komplex zu lösen. Angeführt vom Leiter des Departments für Verkehr und Fernmeldewesen, Wassili Kitschedschi, besuchte etwa eine Delegation der Stadtregierung Anfang Juni 2010 Frankreich, wo sie sich mit den letzten Entwicklungen umweltfreundlicher Autos bekannt machte, die in Moskau als Taxi eingesetzt werden könnten. Bereits Ende 2010 gehen einige der Modelle bei Renault serienmäßig in Produktion. Das größte Interesse der Delegationsmitglieder erweckte ein Modell mit Flüssiggasantrieb, der mit einem Propan-Butan-Gemisch arbeitet. Die Reichweite des vorgestellten Modells beträgt 1 300 km, die Umweltverträglichkeit entspricht der Norm Euro-5. Die Kabine bietet Fahrer und Insassen den entsprechenden Komfort. Der Moskauer Delegation wurden auch Elektroautos in Pkw- und Lkw-Ausführung gezeigt.

Die elektrische Version der Stufenheck-Limousine Fluence kann in Moskau als Taxi eingesetzt werden. Derzeit durchläuft das Modell die erforderliche Zertifizierung. Mitte 2011 ist die Aufnahme der Massenproduktion dieser Autos geplant.

Den oberirdischen öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) in Moskau besorgen Autobus, Oberleitungsbus, Straßenbahn und Sammeltaxis. Hauptbetreiber der Autobus-, Oberleitungsbus- und Straßenbahnlinien ist das Städtische Einheitsunternehmen (GUP) Mosgortrans, auf das 37,5% der gesamten Personenbeförderung der Stadt im ÖPNV entfallen. Es befördert pro Jahr rund 1,85 Mrd. Fahrgäste und ist einer der größten Verkehrsbetriebe der Welt. Das Department für Verkehr und Fernmeldewesen schlägt vor, dass gerade die Städtischen Einheitsunternehmen Mosavtotrans und Mosavtocholod umweltfreundliche Taxis einsetzen. Diese Unternehmen haben viel Erfahrung in der Benutzung von Elektroautos und Autos mit Gasantrieb.

Das Department für Verkehr und Fernmeldewesen behandelt auch die Frage eines Einfahrverbots in das Gebiet innerhalb des Dritten Verkehrsrings ab 2011 für Fahrzeuge mit Motoren unter der Schadstoffklasse Euro-3 und ab 2012 unter Euro-4. Ab 2011 soll an den Moskauer Tankstellen nur noch Benzin der Klasse Euro-4 verkauft werden, obwohl ganz Russland erst 2012 auf diese Norm übergehen soll.

Um die Luftqualität der Stadt zu verbessern und die Verkehrsprobleme zu lösen, ist in Moskau in den nächsten Jahren die Verlegung von über 90 km Straßenbahnschienen geplant. Davon wird im Entwurf der Verordnung “Über die zukünftigen Entwicklungsrichtungen des Straßenbahnverkehrs in Moskau” gesprochen, der im August 2010 begutachtet wurde.

In dem Dokument ist vom vorrangigen Ausbau des Straßenbahnverkehrs in Stadtteilen mit dicht verbauten Wohngebieten und von der Renovierung bestehender Straßenbahnlinien die Rede, wobei Maßnahmen zu unternehmen seien, die die Geschwindigkeit der Straßenbahn erhöhen und die Qualität der Personenbeförderung in Moskau verbessern.

In erster Linie sollen Straßenbahnschienen in den Stadtteilen Birjuljowo-Sapadnoje, Goljanowo und in der Siedlung Severny verlegt werden.

Im ersten Halbjahr 2011 wird das “Fachbezogene Entwicklungskonzept der Straßenbahnlinien in Moskau” ausgearbeitet. In ihm werden die Fragen des weiteren Betriebs des bestehenden Straßenbahnnetzes der Stadt sowie der Einführung neuer Straßenbahnlinien zur Vereinheitlichung des Moskauer Straßenbahnnetzes und der Bau von Bahnsteigen an den Straßenbahnstationen behandelt.

Bei den Projektarbeiten für die Ausrüstung der neuen Linien sollen an Kreuzungen, an denen Schienen- und Individualverkehr aufeinander treffen, ausschließlich ingenieurbauliche und technische Lösungen mit Kunstbauten wie Brücken, Überführungen und Tunnel in Betracht gezogen werden. Außerdem sind der Einsatz von Niederflurwagen sowie Maßnahmen zur Lärmminderung und Rekuperation geplant.

Ferner ist beabsichtigt, Vorschläge für eine Einschränkung der Parkmöglichkeiten für Autos in Straßen, in denen außer den Straßenbahnschienen nur eine Fahrspur zur Verfügung steht, auszuarbeiten und umzusetzen. In 42 Straßen der Hauptstadt sollen Bahnsteige mit einer Abgrenzung von der Fahrbahn errichtet werden. In 18 Straßen soll ein System zur ÖPNV-Bevorrechtigung eingerichtet werden, das Straßenbahnen an Verkehrsampeln Vorrang vor dem Individualverkehr gewährt.