Entwicklungsperspektiven des öffentlichen Personennahverkehrs
Für die Moskauer Stadtregierung sind Qualität, Sicherheit und Effektivität des öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) vorrangig. Heute entfallen 47% der Personenbeförderung in der Stadt auf oberirdische öffentliche Verkehrsmittel (Autobusse, Oberleitungsbusse, Straßenbahnen und Linientaxis). Der Anteil der U-Bahn an der Personenbeförderung beträgt über 50%.
In Moskau ist der wichtigste Verkehrsbetrieb das Staatliche Einheitsunternehmen (GUP) Mosgortrans, das über 5 500 Autobusse, 1 500 Oberleitungsbusse, 900 Straßenbahnen und 5 Betriebe verfügt. Der Fuhrpark von Mosgortrans befördert 1,8 Mrd. Personen pro Jahr. In der Stadt sind nunmehr auch 89 Privatunternehmen tätig. Im Mai 2008 trat die Straßenverkehrordnung in Kraft, gemäß der zum System des ÖPNV alle Unternehmen gehören, die sich mit der Personenbeförderung auf regulären Linien beschäftigen.
Das aktuellste Problem sind Qualität und Sicherheit von privaten Beförderungsunternehmen auf den von ihnen bedienten Linien. Mosgortrans gewährleistet ein hohes Niveau der Personenbeförderung. Um die Dienstleistungsqualität der anderen Unternehmen zu erhöhen, gibt es Ausschreibungen für private Unternehmen. Es ist hervorzuheben, dass der Fuhrpark von Unternehmen, die sich um eine Aufnahme in das System des ÖPNV der Hauptstadt bewerben, mindestens die Abgasnorm Euro-4 erfüllt.
Die Beförderungssicherheit im ÖPNV hängt auch von der Qualifikation der Fahrer ab. In der Regel stammen die Fahrer entweder aus anderen russischen Städten oder anderen Ländern. Ein eigenes Problem ist daher die Anpassung der Fahrer, die zum ersten Mal in der Stadt sind. Für sie ist es eine schwierige Arbeit, sich mit neuen Linien vertraut zu machen.
Zur Lösung der Probleme hinsichtlich der Qualität der Taxidienste wurde das Register des Moskauer Stadttaxis eingerichtet, in das Beförderungsunternehmen und Privatunternehmer aufgenommen werden können, die sich freiwillig zur Erfüllung der von der Stadt festgelegten Qualitäts- und Sicherheitsvorschriften für die Personenbeförderung verpflichten. Die Erbringung hochwertiger Dienstleistungen für die Fahrgäste wird durch von der Stadt Moskau gewährte Begünstigungen stimuliert. Dabei handelt es sich in erster Linie um eine informationstechnische Unterstützung. Eine spezielle Kennzeichnung der Autos stellt eine Bestätigung der Eintragung im Register und der Erfüllung der von der Stadt gestellten Bedingungen durch das Beförderungsunternehmen dar. Die Autos der im Register eingetragenen Unternehmen sollen auch kostenlos die städtischen Taxistandplätze benutzen können. Solche Standplätze werden beispielsweise vor Bahnhöfen eingerichtet. Die übrigen Autos können diese Standplätze nur entgeltlich benutzen. Die Begünstigungen beziehen sich auch auf den in das Stadtbudget abgeführten Teil der Gewinnsteuer.
Einstweilen noch in der Versuchsphase befindlich, werden den Einwohnern Moskaus und des Moskauer Gebiets moderne Möglichkeiten der Bezahlung der Fahrt mit öffentlichen Verkehrsmitteln durch Chipkarten angeboten. Eine derartige Lösung wird die Einheitsfahrkarte für die Einwohner Moskaus und des Moskauer Gebiets sein, mit der nicht nur die oberirdischen öffentlichen Verkehrsmittel, sondern auch die Bahn und die U-Bahn benutzt werden können. Eine andere mögliche Lösung ist die Bezahlung des Beförderungsentgelts mittels Bankkreditkarten (zum Vertrag mit der Bank wird ein Zusatz bezüglich des Beförderungsentgelts ausgefertigt, so dass der Fahrgast die Fahrten bezahlen kann und nach den Monatsergebnissen ein Betrag abgebucht wird, der den vom Fahrgast gewählten Tarifen entspricht). Es wird auch eine Bezahlung des Beförderungsentgelts mittels Telefon möglich sein. Der Übergang auf Zahlung mittels Chipkarten und Telefon schließt Situationen aus, in denen Fahrgäste keine Fahrkarten besitzen, Verkaufsstellen geschlossen sind und die Fahrkarten zu erhöhten Tarifen beim Fahrer gekauft werden müssen.
Trotz einer gewissen Unbequemlichkeit, die die Einrichtung von Drehsperren in den Straßenbahnen, Autobussen und Oberleitungsbussen mit sich brachte, machte sich diese bezahlt. Ein Versuch, der in zwei Straßenbahnen der gleichen Linie mit und ohne Drehsperre durchgeführt wurde, ergab eine Zunahme der Anzahl der Schwarzfahrer in der Straßenbahn ohne Drehsperre. Nach einer Schätzung verlieren die Verkehrsbetriebe dadurch Einkünfte, die danach bei der Anschaffung neuer Fahrzeuge fehlen.
Aufgrund der zunehmenden Verkehrsstaus in der Stadt und der beschränkten Lösungsmöglichkeiten für dieses Problem wurde erneut die Idee der Benutzung der Moskwa zur Personenbeförderung in der Binnenschifffahrt aufgegriffen. In der Hauptstadt wurde bereits eine Ausschreibung für die Entwicklung eines kleinen Schiffes für 10–15 Personen veröffentlicht und eine Probelinie festgelegt. Wenn die Probefahrten erfolgreich verlaufen, werden Wasserfahrzeuge in das System des ÖPNV aufgenommen. Die Binnenschifffahrt muss den Anforderungen der Stadt entsprechen. Es ist wichtig, dass die eingesetzten Schiffe attraktiv und modern sind und die Umweltschutzanforderungen für öffentliche Verkehrsmittel erfüllen.
Außerdem werden zur Entlastung des Verkehrs in der Stadt eigene Fahrstreifen für öffentliche Verkehrsmittel eingerichtet. Das soll eine der Maßnahmen gegen die Verkehrsstaus sein, da für 2010 eine pessimistische Prognose erstellt wurde: der Verkehrskollaps.
Ein weiteres Projekt, das die Straßen der Stadt entlasten soll, ist die Einrichtung von Schnell-Straßenbahnlinien auf separaten Spuren. Das Hauptproblem dabei ist, so eine Lösung zu finden, dass weder die Schnell-Straßenbahnlinien noch die anderen Straßenbahnlinien die Linien anderer öffentlicher Verkehrsmittel kreuzen. Bisher haben die Spezialisten noch im Projektstadium eine Vielzahl komplizierter Probleme gefunden: Wie kann von der rechten Spur das Linksabbiegen für die Schienenfahrzeuge ermöglicht werden? Wie wird der Schnee von einer solchen Spur geräumt? Womit wird sie gekennzeichnet? Die Linienplaner nahmen sich die Betonspuren in Boston als Vorbild. Es wird sich um leichte, etwa mannshohe Konstruktionen handeln.
Immer gefragter sind Park-and-ride-Anlagen in den Randbezirken Moskaus. Jede Präfektur, die im Einzugsgebiet der Moskauer Ringautobahn (MKAD) liegt, beschäftigt sich mit der Realisierung dieses Projekts. Komplizierter ist die Situation bei den nahe den zentralen Stadtteilen befindlichen Parkplätzen, da die Autofahrer nicht motiviert sind, sie zu benutzen. Möglicherweise hilft die Heranziehung ausländischer Erfahrungen, die Moskauer Autofahrer davon abzuhalten, mit dem Pkw in das Stadtzentrum zu fahren. In Deutschland beispielsweise kann man das Auto nicht kostenlos im Stadtzentrum parken, da dies allen viel zu teuer kommt: der Bevölkerung, der Umwelt usw. Für einen Düsseldorfer etwa ist es wesentlich billiger, nicht für das Parken in der Stadt zu zahlen, sondern das Auto möglichst weit außerhalb des Stadtzentrums zu lassen und die Straßenbahn zu benutzen. Möglicherweise wird in Moskau eine Gebühr für die Einfahrt ins Stadtzentrum eingeführt. Gegenwärtig analysiert die Stadtverwaltung die Erfahrungen anderer Großstädte der Welt und die Rechtsgrundlage für die Anwendung derartiger Maßnahmen.
Noch ein weiteres wichtiges Problem wartet auf seine Lösung: die Verbesserung der Verkehrsorganisation, die die städtischen Behörden in enge Beziehung zur Verbesserung der Fahrdisziplin setzen. Leider lässt die Selbstdisziplin der Autofahrer zu wünschen übrig. In Moskau ist es keine Seltenheit, dass die Autofahrer das Auto an Haltestellen öffentlicher Verkehrsmittel parken oder gegen andere Verkehrregeln verstoßen. Nach Meinung der Experten des Departments für Verkehr und Fernmeldewesen der Stadt Moskau ist die Lösung dieses Problems untrennbar mit einer Änderung des gesellschaftlichen Bewusstseins verbunden, umso mehr als in den hoch entwickelten europäischen Ländern das gesellschaftliche Bewusstsein der Bürger schon lange im Einklang mit den Plänen der städtischen Behörden steht, die bestrebt sind, den Autoverkehr in den Städten zu beschränken.
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