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Russische Landsleute — Ruf der Seele

Russische Landsleute — Ruf der Seele

Vom 7. bis zum 12. Februar hat in Moskau das 2. Internationale Festival im Ausland lebender russischer Landsleute mit der Bezeichnung “Russisches Lied” stattgefunden. Veranstaltet wurde es vom Internationalen Rat russischer Landsleute und von der Regierung Moskaus, die dabei von der Regierungskommission der Russischen Föderation für Angelegenheiten der Landsleute im Ausland und vom russischen Außenministerium unterstützt wurden.

In Moskau singt man gern, und in der fröhlichen Fastnachtswoche, die in diesem Jahr mit dem Festival zusammenfiel, gab es in der russischen Hauptstadt besonders viel Musik und Frohsinn. So innige, vielstimmige und mannigfaltige Gesänge hat man allerdings in Moskau schon seit langem nicht mehr zu hören bekommen, zumindest nicht in den zwei letzten Jahren, die seit dem ersten Festival “Russisches Lied” vergangen sind. Ob nun akzentfrei oder nicht, mit ukrainischem Tonfall oder in makelloser russischer Hochsprache, ob mit der Leichtigkeit gewohnten Formulierens oder mit der angestrengten Artikulation eines jeden einzelnen Wortes — die Laiensänger und -gesangsgruppen begannen ihr umfangreiches Festivalprogramm unter dem aufrichtigen und herzlichen Beifall der Zuschauer.

Da wurden russische Romanzen und Volkslieder, Werke der russischen Klassik, Schlager und patriotische Lieder, aber auch Lieder über den Krieg und Lieder aus den Kriegsjahren dargeboten — das diesjährige Festival war dem 65. Jahrestag des Sieges im Großen Vaterländischen Krieg 1941—1945 gewidmet.

Auf der feierlichen Eröffnungsveranstaltung sprachen zu den Anwesenden Ljudmila Schwezowa, 1. Stellvertreterin des Moskauer Oberbürgermeisters, die für den sozialen Bereich in der Regierung Moskaus verantwortlich ist, sowie Pjotr Scheremetew (Frankreich), Präsidiumsvorsitzender des Internationalen Rates russischer Landsleute. Verlesen wurde zudem ein an Teilnehmer, Veranstalter und Gäste des Festivals gerichtetes Grußwort von Juri Luschkow, in dem der Oberbürgermeister der russischen Hauptstadt den Teilnehmern des Gesangswettstreites für ihre Treue zur russischen Sprache und Kultur sowie für ihr Bemühen, die Schönheit des russischen Liedes zu bewahren und zu pflegen, dankte.

Moskau gehört zu den Initiatoren und Organisatoren des Wettbewerbs, und so waren es auch die Moskauer Stadtbehörden, die das Hauptziel des Festivals festlegten, das darin besteht, in der russischen Metropole alle die zu versammeln, die, außerhalb Russlands lebend, aktiv zur Erhaltung und Festigung des Status der russischen Kultur in der ganzen Welt beitragen. Moskau hatte auch die Reise- und Aufenthaltskosten für die Festivalteilnehmer — das waren 8 bis 10 Personen pro Land — übernommen. Es hätten noch weitaus mehr Teilnehmer sein können — nach Auskunft von Pjotr Scheremetew ein Mehrfaches der jetzigen Zahl. Es galten jedoch strenge Quoten, die Auswahl erfolgte im Laufe eines ganzen Jahres auf Wettbewerbsbasis, wobei die endgültige Entscheidung jeweils vom Präsidium des Internationalen Rates russischer Landsleute getroffen wurde. Ausnahmen wurden für die Ukraine und Kasachstan gemacht, wo es die größten russischen Gemeinden gibt.

Zum Wettbewerb “Russisches Lied” waren 490 Einzelsänger und Gruppen aus 53 Ländern in Russlands Hauptstadt gekommen, unter anderem aus der Ukraine, Aserbaidschan, Usbekistan, Lettland, Moldova, Armenien, Kasachstan, Belarus, Georgien, Frankreich, Kanada, den USA, der Türkei, Israel, Finnland, Dänemark, Norwegen, Deutschland, China, Belgien, Spanien, Griechenland, Großbritannien, Rumänien, Serbien, den Niederlanden, Zypern und Portugal, ja sogar aus Australien, Argentinien, Brasilien, Marokko, der Republik Südafrika, Peru und Chile. Das verlieh dem Festival einen geradezu globalen Maßstab.

Die Auftritte der Teilnehmer fanden auf zehn verschiedenen Konzertpodien statt, unter anderem im Pawel–Slobodkin–Theater– und– Konzert–Zentrum, im Solschenizyn-Haus der Auslandsrussen, im Konzertsaal des Museums des Großen Vaterländischen Krieges auf dem Verneigungshügel, im Konzertsaal des Puschkin–Museums und im Staatlichen Freilichtmuseum Zarizyno. Zu Konzerten, bei denen Lieder der Kriegszeit erklangen, waren Kriegsveteranen sowie Jugendliche eingeladen worden.

Die besondere Atmosphäre des Einsseins und der gegenseitigen Zugehörigkeit, die sich bei den Konzerten unverzüglich einstellte, ließ den Zuhörern mitunter Tränen in die Augen treten. Die Wettbewerbsteilnehmer gaben sich ganz den dargebotenen Liedern hin und sangen jede Note und jedes Wort voller Inbrunst. Schon nach der ersten Strophe nahmen die Lieder nicht nur die Teilnehmer, sondern auch die Zuschauer gefangen, und so erklang bald ein Chor derer, denen die Geschicke Russlands nicht gleichgültig sind, die von Russland zwar geographisch getrennt sind, doch ihm innerlich sehr nahe stehen. Selbst ihren Kollektiven hatten die im Ausland lebenden Russen an das ferne Russland erinnernde Namen verliehen. So gab es ein Gesangsensemble Arinuschka aus Litauen, die Frauengesangsgruppe eines Kosakenchors aus Kasachstan nannte sich Stanitschniki, und aus Spanien war das Ensemble Kupalinka angereist.

Bis auf die Minute war der Tag der Festivalteilnehmer in Moskau eingeteilt. Da fanden Konzerte statt, Meisterklassen, an denen bekannte russische Interpreten und Kenner des russischen Liedes teilnahmen, Besuche von Museen und Ausstellungen (viele der Landsleute waren erstmals nach Moskau gekommen) sowie Treffen in bestimmten Themen gewidmeten Festival—Clubs, wo man sich näher kennenlernen und die russische Sprache genießen konnte.

“Das Festival verläuft großartig”, sagte Pjotr Scheremetew, der Präsidiumsvorsitzende des Internationalen Rates russischer Landsleute, zu Journalisten. “Herrliche Stimmen, wundervolle Darbietungen! Alle Lieder werden von den Zuschauern im Saal begeistert aufgenommen. Von der russischen Sprache und dem russischen Lied geht eine geradezu magische Kraft aus. Ich möchte Juri Luschkow für die prächtige Organisation dieses Festes meinen ganz besonderen Dank ausdrücken.”

Auf der dem Festival gewidmeten Pressekonferenz, die am 9. Februar 2010 in der Presseagentur RIA Novosti stattfand, hoben alle Anwesenden das hervorragende Können der Wettbewerbsteilnehmer hervor, das um so beachtlicher sei, als sich die meisten von ihnen nie beruflich mit Gesang befasst hätten.

“Das interpretatorische Können war für uns das entscheidende Kriterium bei der Auswahl”, erläuterte Sergej Swenzizki, der künstlerische Leiter des Projekts “Russisches Lied”. “Berücksichtigt wurden sowohl das Genre als auch die Art des Vortrags. Das allgemeine gesangliche Niveau der Wettbewerbsteilnehmer ist überaus hoch. Zum Wettbewerb sind viele gekommen, die bereits vor zwei Jahren Moskau besucht haben, doch die Zahl der Teilnehmer ist diesmal erheblich größer. Besonders erfreulich ist es, dass junge Menschen zu uns kommen, die nie zuvor in Russland geweilt haben, und mit tief empfundener Herzlichkeit Lieder aus den Kriegsjahren singen. Wie ihnen das gelingt, ist mir unbegreiflich.”

Georgi Muradow, Leiter des Dezernats für außenwirtschaftliche und internationale Beziehungen der Stadt Moskau, berichtete auf der Pressekonferenz über die Verleihung der ehrenvollen Auszeichnung “Landsmann des Jahres 2009”:

“Die feierliche Zeremonie der Preisverleihung findet am 11. Februar im Säulensaal des Hauses der Gewerkschaften während des abschließenden Gala-Konzerts des Festivals ‚Russisches Lied’ statt. Das Präsidium des Internationalen Rates russischer Landsleute hat ausgehend von den Ergebnissen des Jahres 2009 Preisträger in drei Nominierungen ermittelt.

Als Anerkennung für seinen ‚Beitrag zur gesellschaftlichen und politischen Tätigkeit der russischen Landsleute im Ausland” wird Miron Ignat, Abgeordneter des rumänischen Parlaments und Mitglied des Welt-Koordinationsrates der russischen Landsleute ausgezeichnet. Miron Ignat ist der Vorsitzende der Gemeinde der russischsprachigen Minderheit der Lipowaner — altgläubiger orthodoxer Christen, die bereits seit langem in Rumänien leben und dort einen Herd russischer Kultur bewahren.

Eine Auszeichnung für seinen ‚Beitrag zum Schutze der Rechte der russischsprachigen Bevölkerung der Ukraine’ erhält Wadim Kolesnitschenko, Vorsitzender des Rates der gesamtukrainischen gesellschaftlichen Organisation Bewegung zum Schutz der Bürgerrechte ‚Russischsprachige Ukraine’ und Abgeordneter der Werchowna Rada, des ukrainischen Parlaments. Ihm ist es zu verdanken, dass die russischsprachigen Gebiete der Ukraine 2009 zu einer führenden Kraft im Lande wurden, die für die Wahrung der Interessen unserer Landsleute in diesem Land eintritt.

Der Preis für einen ‚Beitrag zur Entwicklung der Kunst’ wird dem bemerkenswerten Sänger Alexander Rybakow, dem Sieger des Eurovision Song Contests 2009 in Moskau, zugesprochen. Der junge Sänger ist in Norwegen aufgewachsen, doch hat es seine Eltern vermocht, in ihm die Liebe zur russischen Kultur zu wecken.

Die Sieger erhalten als Auszeichnung eine Kristallkugel, die die Zerbrechlichkeit unseres Planeten symbolisiert und die mit Erde aus verschiedenen Gegenden Russlands gefüllt ist. Auf diesem kristallenen Globus ist Russland mit einem Goldauftrag gekennzeichnet.”

Die Journalisten interessierten sich auf der Pressekonferenz, ob die Konzerte aufgezeichnet werden und ob die Aufzeichnungen auch der Allgemeinheit zugänglich gemacht werden.

“Wir fotografieren und fertigen auch Videos an, vieles bringen auch die Teilnehmer selbst mit”, sagte den Anwesenden Georgi Solonina, der Leiter der Moskauer Direktion für die Vorbereitung und Durchführung von Massenveranstaltungen. “Allmählich erhalten wir auf diese Weise eine Informationsbank, der eine große kulturwissenschaftliche Bedeutung zukommen wird. Vorgesehen ist, einen Videofilm über das Festival herauszubringen. Vielleicht werden wir auch eine Musik–CD mit Aufzeichnungen von Liedern der besten Festivalteilnehmer anfertigen.”

Auf die Frage, wen man als russische Landsleute ansehen müsse, antwortete Georgi Muradow wie folgt:

“Russische Landsleute sind Menschen, die sich selbst als solche betrachten. Es ist dies eine innere, freiwillige Wahl.”

Als das Festival zu Ende ging, versammelten sich Teilnehmer, Gäste und Veranstalter noch einmal im Säulensaal des Hauses der Gewerkschaften zu einem abschließenden Gala–Konzert. Moskaus Oberbürgermeister Juri Luschkow und der Präsidiumsvorsitzende des Internationalen Rates russischer Landsleute, Graf Pjotr Scheremetjew, händigten den “Landsleuten des Jahres” die Preise — jene unseren Planeten symbolisierenden Kristallkugeln — und Diplome aus. Bei der Zeremonie waren Vertreter der Legislative und der Exekutive Russlands sowie Leiter von Struktureinheiten der Regierung Moskaus und der Moskauer Stadtduma zugegen.

Auf einer Videowand wechselte sich das Blau großer Ströme mit hellen Birkenhainen und goldenen Weizenfeldern ab, und auf der Bühne erklangen allseits bekannte russische Lieder. Immer wieder stimmten die zahlreichen Anwesenden im Saal in diese Lieder ein, und allen wurde klar: Wohin einen das Schicksal auch immer verschlagen mag, der russischen Seele vermag dies nichts anzuhaben.

Bereits am nächsten Tag traten die Teilnehmer des Festivals die Heimreise an. Eine Woche lang hatten sie auf zahlreichen Konzertpodien Moskaus mit ihrer Kunst und ihrer Liebe zu Russland beschenkt. Ein jeder von ihnen hat aus seinem Vaterland in sein jetziges Land Erinnerungen an das “Russische Lied” mitgenommen, das nicht nur alle Festivalsteilnehmer, sondern die ganze russische Welt vereint hat.