Im Gesamtrussischen Museum für dekorative, angewandte und Volkskunst (Delegatskaja uliza 3) ist soeben eine Ausstellung mit der Bezeichnung Weiße Weihnachten eröffnet worden, deren Exponate den Themen Weihnachten und Neujahr gewidmet sind und die die Besucher durch die Schönheit und Originalität der Gestaltung dieser Themen in ihren Bann zieht. Die Bezeichnung wurde nicht von ungefähr gewählt, überwiegen doch hier weiße Farbnuancen, die dem Betrachter das Gefühl vermitteln, ein Wunder voller Reinheit und Harmonie zu erleben, und Wunder geschehen bekanntlich stets um Weihnachten und Neujahr, wenn der Schnee seine Decke über die Erde breitet und in frostigen sternklaren Nächten wunderbare und gütige Wesen in unsere Welt kommen.
In den Nächten vor Weihnachten will es einem mitunter scheinen, dass der Himmel uns näher kommt. In dieser Zeit ruht die Natur, und in unseren Herzen leuchtet ein Fünkchen Hoffnung auf, dass die Welt um uns herum vielleicht besser wird. Das Weihnachtsfest ist eine Zeit, da sich Träume erfüllen.
Bis zum 20. Januar 2010 hat sich der Weiße Saal des Museums in ein Reich der Schneekönigin verwandelt: Da gibt es Eispaläste, Schneeflocken und schneeweiße Kleider für die Herrin des weißen Schweigens. An der Weihnachts–Ausstellung beteiligen sich fast 200 Autoren, darunter sowohl namhafte Künstler als auch solche, die sich mit ihren Arbeiten erstmals dem Urteil des Publikums stellen.
Die Besucher bekommen kunstvoll gestaltete Textilien (von Batikarbeiten und Gobelins bis zu Kostümen und Stickereien), Glas und Keramik (von Gefäßen bis zu Art-Objekten), Arbeiten aus Holz (von Miniaturen bis zu Parkskulpturen) sowie Schmuckgegenstände (von Alltagsschmuck bis zu Sammlerstücken) zu sehen. Viele dekorative Materialien erleben wir in einer neuen, ganz ungewöhnlichen Rolle.
Den Anfang der Ausstellung bildet das weiße Wandbild Ewigkeit und Klang von L. W. Chosjaschewa, das aus den Sammlungen des Museums für dekorative und angewandte Kunst stammt und tonangebend für das gesamte Projekt ist. Es folgen Winterlandschaften, Weihnachtsmotive, Engel, die Weisen aus dem Morgenland, wundervolle Kirchen mit goldenen Kuppeln. Unter der enormen Vielfalt der ausgestellten Arbeiten ziehen vor allem ein prächtiger gläserner Thron von Andrej Kriwolapow, der aus einem Eisblock eigens für die Schneekönigin herausgearbeitet zu sein scheint, ebenfalls für die Schneekönigin bestimmte Haute–Couture–Kleider von Swetlana Ossenkowa und Marina Wassina, Glasurmalereien von Olga Skubtschenko sowie ganz erstaunliche Glasarbeiten von Aleksandra Afonina, Darja Surowzewa und Aleksandra Jarmolnik die Aufmerksamkeit auf sich.
Schimmel und Schwäne, slawische Glücksvögel, die Lieblingsschlittenhunde von Großväterchen Frost und andere märchenhafte Wesen versetzen den Betrachter in eine Atmosphäre von Weihnachts und Neujahrsgeschichten. Behütet wird die Ausstellung von Geistern und Engeln, denen Fabelwesen zur Seite stehen, und inmitten des Saales erhebt sich der Baum des Lebens, Symbol für Weihnachten und Neujahr zugleich, Symbol der Hoffnung auf eine bessere Zukunft, auf die Vereinigung von Geistlichem und Weltlichem, von Himmel und Erde.
Einen besonderen Platz nehmen in der Ausstellung von Künstlern kreierte Neujahrstannen ein, denen ein ganzer Saal gewidmet ist. Hier kann man ganz unterschiedlichen Varianten des traditionellen russischen Neujahrssymbols begegnen: bemalten Tannen in Gestalt von Skiläuferinnen mit weißen Hauben, konische Tannen aus Spiegelglas mit apfelförmigen Kugeln, Tannen aus gläsernen geometrischen Figuren, Tannen mit bunten Nadeln oder Tannen mit durchsichtigen Zweigen und lustigem Schmuck. Unter den Designerarbeiten befinden sich Olga Pobedowas Suprematische Tanne, Wiktor Reschetnikows Tanne mit Kugel, Anna Butinas Bonbon Tanne, Andrej Moltschanowskis Skulptur Bab Jel (Großmütterchen Tanne), Jelena Gambarjans als Beleuchtungskörper gestaltete Tanne, Irina Lytschaginas Textil-Tanne und Aleksandra Stworas supermoderne Tanne aus Papier und Plastik. Wie auch das Fest selbst ist die Tanne bei einem jeden unterschiedlich, doch von einem Fest kann es bekanntlich gar nicht genug geben.
Das Gesamtrussische Museum für dekorative, angewandte und Volkskunst liegt im Moskauer Zentrum und ist in einem Gebäudeensemble untergebracht, das Ende des 18. bis zum 20. Jahrhundert entstanden ist. Nach den früheren Besitzern wird dieser alte Herrensitz als Ostermann-Haus bezeichnet. Schon seit langem werden die Ausstellungen des Museums von Moskauern und Gästen der russischen Hauptstadt gern besucht. Um die Museumsbestände möglichst weitgehend der Öffentlichkeit vorzustellen, veranstaltet das Haus immer wieder neue Ausstellungen. Sein Hauptanliegen ist es dabei, die besten Werke der dekorativen und angewandten Kunst jeweils im Zusammenhang mit der Entwicklung künstlerischer Stilrichtungen zu zeigen.
Derzeit sind in den Sälen des Museums Beispiele der russischen dekorativen und angewandten Kunst aus dem 18. bis zum beginnenden 20. Jahrhundert zu besichtigen. In den thematischen Ausstellungen kann man Werke der Möbelkunst sowie Kunstgegenstände aus Keramik, Porzellan, Glas, Metall, Stoff und Bein kennelernen.
Eine neue Ausstellung zeigt Gegenstände aus einer einzigartigen Sammlung von mit Schnitzwerk versehenen Verzierungen russischer Holzhäuser wie Fries– und Giebelbretter oder Fensterverkleidungen. Umfangreich vertreten sind auch gemalte Elemente von Bauernhäusern aus verschiedenen Regionen des russischen Nordens — den Verwaltungsgebieten Archangelsk, Wologda und Kostroma — sowie aus dem Ural und der Altairegion. Außerdem sind hier Bauernmöbel und Geschirr zu sehen. Form und Dekor dieser Gegenstände zeugen von den rituellen Aspekten des russischen Bauernlebens.
Von besonderem Interesse ist eine Sammlung von Frauen–Festkleidung, Frauen– und Mädchenkopfputz aus dem 17. bis 19. Jahrhundert, Beispielen klösterlicher Goldstickerei, alten Spitzen aus Leinen– und Seidengarn sowie von Stickereien aus verschiedenen traditionellen Zentren. Die Volkstrachten sind außerordentlich dekorativ und farbenprächtig, zugleich aber auch von edler Schlichtheit und praktischem Zuschnitt.
Die Welt der Kindheit erschließt sich in volkstümlichem Holz– und Tonspielzeug. Volkskunstgewerbe, die sich mit der Herstellung von Spielzeug befassen — sowohl längst ausgestorbene als auch zu neuem Leben erweckte —, sind in einer neuen Exposition in großer Mannigfaltigkeit und weitgehend vollständig präsent: eindrucksvolle, originelle Spielsachen aus Dymkowo, Kargopol, Abaschewo, Filimonowo, Chludnewo und Schbannikowo, die die Traditionen der volksverbundenen Erziehung in der russischen Familie widerspiegeln. Erstmals sind hier auch solche einzigartigen Exponate wie russische Volksbilderbogen vertreten.