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Designer bemächtigen sich der Stadt

Designer bemächtigen sich der Stadt

Während der Feierlichkeiten anlässlich des “Tages der Stadt” können sich die Moskauer mit dem Schaffen von Designern vertraut machen und Zeugen ungewöhnlicher Ereignisse werden. Vom 4. bis 12. September findet im Rahmen des Programms “Tage des Designs in Moskau” mit Unterstützung der Regierung Moskaus erstmals ein Festival des russischen Objekt- und Umgebungsdesigns mit der Bezeichnung Sretenka Design Week statt.

Schauplatz des Geschehens sind die Straße Sretenka und die umliegenden kleinen Gässchen in einem historischen Moskauer Bezirk. Die Organisatoren haben sich alle Mühe gegeben, damit das Festival auch von der Straße Besitz ergreift: Die Veranstaltungen finden nicht nur in den Räumlichkeiten von Ausstellungen und Galerien statt, sondern auch in Cafés, Geschäften, Restaurants und einfach auf der Straße. So werden beispielsweise das Restaurant Der diskrete Charme der Bourgeoisie, die Buchhandlung Dodo, die Konditorei Jaté, das Geschäft JNBY, das Café Coffee Bean und viele andere Orte zu Ausstellungsflächen.

Bei dem Festival Sretenka Design Week handelt es sich um mehrere Projekte, denen allen die Idee gemeinsam ist, dem Publikum die Möglichkeiten des modernen Designs vor Augen zu führen. Eines der Projekte trägt den Namen Archsretenka. Seine Urheber beabsichtigen, ein neues städtisches Milieu zu erschaffen, indem sie in das Gewebe der Stadt verschiedenartige kleine architektonische Formen integrieren. Dabei werden die Räume von Straßen, Grünanlagen und Höfen harmonisch verändert — das historische und kulturelle Antlitz des Stadtbezirks bleibt erhalten.

Und genau so ist dieses Projekt konzipiert worden. Ausgearbeitet wurde es unter anderem von den angesehenen russischen Architekten Totan Kusembajew, Wladimir Kusmin und Wlada Sawinkina, von den Malern Nikolai Polisski, Dmitri Suchow und Anton Kotschurkin sowie von jungen Autoren der Architektengruppe Jofans Kinder, der Architektenbüros Praktika und Yunaya bureau und des Design-Studios RedKod, außerdem von Studenten der Moskauer Hochschule für Architektur und von der deutschen Architektenvereinigung anOtherArchitect.

“Stadt der Zukunft” — so heißt ein Spiel, an dem führende russische und europäische Architekten, Designer und Spezialisten für das historische Erbe, Vertreter der Stadtbezirksverwaltung und sogar Einwohner des Festivalbezirks teilnehmen werden. Hauptanliegen dieses Spiels ist es, die Straße und ihr Umfeld in einen komfortablen Lebensraum zu verwandeln. Einer seiner Aspekte besteht in der Errichtung eines Designer-Städtchens und in der Unterstützung kleinerer kreativer Business-Projekte in diesem Moskauer Viertel. In europäischen Ländern hat sich eine solche Vorgehensweise als sehr erfolgreich erwiesen. Die Veranstalter des Spiels hoffen, dass die im Ausland gemachten Erfahrungen auch in Moskau von Nutzen sein werden.

Nicht vergessen haben die Organisatoren des Festivals auch die Kinder. Ihnen ist ein gesondertes Projekt gewidmet, das die Errichtung eines neuen Kinderspielplatzes und einer Freilichtbühne vorsieht. Außerdem beinhaltet es die Abhaltung von Meisterklassen für Kinder und eine Theatervorstellung sowie eine Ausstellung von Arbeiten von Schulen und Architektur- und Kunststudios. Die Veranstalter des Festivals machen auf die Besonderheit dieses Projekts aufmerksam, die darin besteht, dass hier die Aufgabe, die Qualität der Bildung und der ästhetischen Erziehung der Kinder zu vervollkommnen (verbessern), mit Mitteln der Architektur und des Designs gelöst wird.

Die auf dem Festival vorgestellten Design-Objekte kann man nicht nur ansehen und berühren, sondern auch erwerben, beispielsweise im Seasons Market. Und in der Galerie DesignBoom findet eine Verkaufsausstellung mit der Bezeichnung MIR Made in Russia statt, wo mehr als zweihundert von führenden russischen Designern kreierte Industriedesignobjekte zur Auswahl stehen.

Eine Ausstellung in der Galerie WChUTEMAS hat die Suche nach dem künftigen Antlitz eines bisher in Russland noch nicht existenten Design-Museums zum Inhalt. “In den meisten westlichen Ländern gibt es dem Design gewidmete Museen, die die Veränderungen in der gegenständlichen Umwelt und Kultur des 20. und 21. Jahrhunderts widerspiegeln”, sagt Andrej Samonajew, der Direktor des Festivals. “Und ein jedes von ihnen besitzt sein eigenes Konzept, seine eigenen Exponate, dient einem ganz bestimmten Anliegen. Es ist an der Zeit, auch in Russland ein solches Museum einzurichten, um anhand von besonders gelungenen Arbeiten der Branche das Design als Bereich der materiellen Kultur im ästhetischen Bewusstsein zu etablieren, um sichtbar zu machen, was in unserem Land geschaffen worden ist, und um von den Autoren zu erzählen.”

Wichtigstes Ereignis, gewissermaßen das Highlight des Festivals, ist eine retrospektivische Ausstellung zum Thema “Das Phänomen des russischen Designs” im Zentrum für moderne Kunst M’ARS, in der die Geschichte des russischen designerischen Ideentums dargestellt wird. Dessen Besonderheit, so die Veranstalter, bestehe darin, dass für das russische Projektschaffen weniger das Streben nach Umsetzung von Einfällen bezeichnend ist als vielmehr das Bemühen um deren intentionales Produzieren. Auf der Ausstellung sind Übungsarbeiten und Designprojekte zu sehen, die die Entwicklung der künstlerischen Kultur des 20. Jahrhunderts beeinflusst haben.

“Alle Projekte des Festivals Sretenka Design Week haben die Überwindung von klischeehaftem Denken sowie des erheblichen Zurückbleibens in vielen Bereichen, die sowohl mit der Industrie als auch mit der ästhetischen Erziehung zusammenhängen, zum Ziel”, sagt Festivaldirektor Andrej Samonajew. Mit einem jeden Projekt des Festivals wird die Absicht verfolgt es zu ermöglichen, das russische Design in den gesamteuropäischen kulturellen Prozess zu integrieren.

*Es wurden von den Organisatoren des Festivals Sretenka Design Week  zur Verfügung gestellte Materialien verwendet.