Drei Tage lang fand Ende Mai im Zentralen Ausstellungssaal Manege ein kulinarisches Fest statt: das IV. Internationale Gastronomiefestival Food Show. In diesem Jahr hatten sich die Veranstalter für die Gäste eine gastronomische Reise quer durch kulinarische Traditionen verschiedener Länder parat (ausgedacht). Russland, Italien, Spanien, Frankreich und Japan wurden in ihren kulinarischen Shows und Meisterklassen durch bekannte Chefköche sowie durch Pop- und Fernsehstars vertreten. Das Hauptprogramm wurde durch eine Reihe von Maßnahmen ergänzt, die der gesunden Ernährung gewidmet waren: Alle, die es wünschten, konnten sich von Ernährungsexperten beraten lassen.
Auf einer Ausstellungsfläche hatten Lebensmittel- und Getränkehersteller ihre Stände. Hier wurden Wettbewerbe und Spiele durchgeführt, bei denen es Preise zu gewinnen gab, außerdem konnte man ungewöhnlichen Performances beiwohnen und neueste Produkte der Branche kosten. Experten zeigten ein reges Interesse für moderne Herstellungstechnologien. Ein besonderer Sektor war Zigarrenproduzenten vorbehalten, die die Besucher mit den Traditionen Kubas, Nikaraguas und anderer Länder in diesem Bereich bekannt machten. Die Präsentation ihrer Produktion wurde von Auftritten kubanischer Tänzer und einer Ausstellung von Bildern zeitgenössischer kubanischer Maler begleitet.
Am Eröffnungstag des Festivals konnte man sich die Darbietungen einer ungewöhnlichen Musikergruppe, des Wiener Gemüseorchesters, anhören. Die Musiker trugen Kompositionen unterschiedlicher Stilrichtungen vor: Jazz, Techno, Rock und Pop. Die Einmaligkeit des Orchesters besteht darin, dass alle Instrumente aus Gemüse bestehen. Flöten aus Mohrrüben, Trommeln aus Kürbissen, Gurkophone und Auberginophone sowie andere originelle Instrumente fertigen die Orchestermitglieder jeweils am Tag vor dem Konzert an. Nach ihren eigenen Worten klingt nur frisches Gemüse gut. In der Tat waren beispielweise Mohrrübentriller sehr melodisch und ließen keinen der Zuhörer gleichgültig. Ebenfalls am ersten Tag des Festivals fand eine kulinarische Show des bekannten Konditors Aleksandr Selesnjow statt, der eine riesige Honigtorte buk.
Auch in den folgenden Tagen des Festivals waren Stars der professionellen Küche, aber auch Fernsehstars die Haupthelden des Kulturprogramms der Food Show. Serge Marković, serbischer Chefkoch und Moderator von Fernsehsendungen, verriet dem Publikum, wie eine echte spanische Paella zubereitet wird. Der Franzose Guillaume Joli, Chefkoch des Hotels Ararat Park HyattMoscow, sprach über den Aperitif und alles, was dazugehört. Dieses gastronomische Konzept Konversation zu alkoholischen Getränken und leichten Appetithäppchen bieten die Franzosen als Alternative zu einer langen und üppigen Tafelrunde an. Der italienische Chefkoch des Restaurants Cherry Mio, Andrea Galli, hielt eine Meisterklasse zum Thema Schnelle Sommersuppen ab und bereitete drei Cocktail-Suppen zu: eine Rote-Rüben-Suppe, eine Spinat-Jogurt-Tomaten-Suppe und eine Okroschka eine kalte russische Kwas-Suppe mit Erdbeeren und Tan, einem kaukasischen Sauermilchgetränk. Den Saal erfüllten appetitanregende Düfte, man vernahm Geräusche von Mixern, Tiegeln und Dosen, die geöffnet wurden, die Köche betrieben ihr an Zauberei grenzendes Handwerk, und den Zuschauern entrangen sich Laute der Begeisterung.
Eine Show, sofern sie erfolgreich ist, wird in erster Linie als ein Fest empfunden. In dieser Beziehung bildete die Food Show keine Ausnahme, nicht zuletzt, weil sie den Besuchern nicht nur Wissenswertes, sondern auch Zerstreuung bot. So fand am Stand des Fernsehsenders Kuchnja-TV (Küchen-TV) das Finale eines Castings statt, bei dem ein Hobbykoch für die Rolle des Moderators einer der Sendungen ermittelt wurde. Teilnahmeberechtigt waren Männer, die nicht nur gut und gern kochen, sondern die auch fähig sind, interessant darüber zu erzählen. Sich versuchen konnte ein jeder, der es wünschte. Den Gästen gefiel auch ein anderes Event: Die Firma Otschakowo, die Bier braut und alkoholfreie Getränke herstellt, machte die Zubereitung der größten Okroschka-Suppe der Welt zu einem beeindruckenden Erlebnis: Zur Begleitung einer Gruppe von Topf-Trommlern zerkleinerten mehrere Köche 90 Kilogramm Zutaten und übergossen sie mit 130 Litern Kwas, einem kohlesäurehaltigen Getränk aus Roggen und Malz. Damit wurde dann ein ganzes Fass aus Eichenholz gefüllt, in das 225 Liter passen. Nach 20 Minuten schon war es leer!
Das gastronomische Festival war von den Veranstaltern als ein Fest für die ganze Familie konzipiert worden. Daher war für die jüngsten Gäste eine besondere Indoor-Spielwiese mit einem Mini-Kino, einem Trampolin, einem riesigen Baukasten und einem Bällebad eingerichtet worden. An einer Stelle konnten die Kleinen basteln und sich mit den Helden einer beliebten russischen Zeichentrickfilmserie Smeschariki (Kikoriki) des Senders STS fotografieren lassen.
Satt und zufrieden gingen die Besucher auseinander, und die Erinnerungen an die kulinarischen Erlebnisse und die geradezu märchenhaften Vorführungen der Profiköche werden so bald nicht verblassen.