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Seiten der wieder lebendigen Geschichte

Seiten der wieder lebendigen Geschichte

Die letzten zehn Maitage waren in Moskau auch diesmal traditionell der slawischen Schriftlichkeit und Kultur gewidmet. Dies reicht nämlich zu den Aufklärern und Begründern des slawischen Alphabets, den Brüdern Kyrill und Methodius, zurück. Seit 1863 wird in Russland das Gedenken an die Heiligen Kyrill und Methodius am 24. Mai begangen. Am selben Datum wird auch in Bulgarien Tag der bulgarischen Aufklärung, Kultur und der kyrillischen Schrift gefeiert.
Der 5. Juli — Tag der Slawenapostel St. Kyrill und St. Methodius -ist ein kirchlich-staatlicher Feiertag in der Tschechei.

Anlässlich des Gedenkdatums werden in Moskau Massenfeierlichkeiten und Festivals durchgeführt. Sie haben zum Ziel, russische Traditionen und die Hochachtung gegenüber der Kultur und der historischen Vergangenheit Russlands zu popularisieren und neu aufleben zu lassen. Bereits zum dritten Mal verlief am Twerskoi-Boulevard, in der Moskauer Innenstadt, im Rahmen des Programms der Tage der slawischen Schriftlichkeit und Kultur das Fest “Strasse der Geschichte”. Veranstaltet wurde es durch den Ausschuss für überregionale Verbindungen und Nationalitätenpolitik an der Moskauer Regierung, die Slawische Stiftung Russlands und die Agentur für altertümliche Vergnügungen “Ratoborzy”.

So konnte man sich am 23. Mai erneut in die ferne und nahe Vergangenheit Russlands versetzt fühlen. Vor den Zuschauern lebten verschiedene historische Epochen wieder auf. Dabei konnte man nicht bloß zuschauen, sondern auch ein aktiver Teilnehmer an Veranstaltungen (Ereignissen) werden, also mitspielen, wettkämpfen und -streiten. Eines der Spielplätze wurde dem Großen Vaterländischen Krieg gewidmet. Es sei erinnert, dass 2010 der 65. Jahrestag des Sieges des Sowjetvolkes über die faschistischen Eroberer und die Beendigung des Zweiten Weltkriegs feierlich begangen wird. Die Mitglieder der Clubs zeigten den wissbegierigen Gästen Attribute aus der Kriegszeit. Geschichtsfreunde beschauten Gegenstände des Soldatenalltags und die Waffen aus der Zeit des Großen Vaterländischen Krieges, Dreieck-Briefe der Soldaten und hörten sich Nadeltonschallplatten mit der Musik der 40er und 30er Jahre an, die vom authentischen Koffergrammophon vorgespielt wurde.

Die meisten Besucher der dem X. Jahrhundert, also der Zeit der Kiewer Rus, der Taufe Russlands durch den Kiewer Fürst Wladimir Swjatoslawowitsch, gewidmeten Spielbühne waren Eltern mit Kindern. Denn wo sonst, wenn nicht bei solchen Feierlichkeiten, könnte man noch erleben, was eine Töpferscheibe ist und wie ein Tonkrug gemacht oder Eisen geschmiedet wird. In einer kleinen improvisierten Schmiedewerkstatt traten die modernen Schmiede Blasebalg und hämmerten verschiedene Erzeugnisse. Anziehend an solchen Festen ist es, dass es keine Museumsschildchen “Nicht antasten!” gibt und man alles selbst versuchen darf: eine Tonschale formen oder an einem Schmiedestock hämmern. Daraufhin konnte man sich zum Ballholz- und Wurfspiel-Platz begeben, um seine Treffähigkeit und Geschicklichkeit zu prüfen, oder eine altrussische Küche aufsuchen, wo die Mädels in volkstümlicher Tracht über alte Kochkunstrezepte und die Handarbeit erzählten. Dazu noch forderten sie Tausendkünstlerinnen auf, sich in der Ergreifung von Techniken der Wirkerei und Häkelei zu messen.

Während des Festes “Strasse der Geschichte” gab es eine Volksmusik-Aufführung. Eine Gruppe Gusli-Spieler “Lebendiges Wasser” präsentierte altrussische epische Volkslieder, und die Gruppe “Teufelstanz” — Volksmusik und -tänze Europas. Gusli ist übrigens ein altrussisches Saiten- bzw. Zupfinstrument, eine Art Harfe. Ähnliche Instrumente hatten auch Sorben und Bulgaren, Slowenen, Kroaten, Polen und Tschechen. Manchmal konnte auch mit einem Streichbogen gespielt werden.

Die “Passanten” der “Strasse der Geschichte” ließen sich gern in historischen Kleidungen und mit der Ausrüstung russischer Krieger knipsen lassen und erwarben handgefertigte Schmucksachen aus Silber und Messing.

Die Verwegenheit braver junger Leute konnten die Gäste im altrussischen Schießstand an den Tag bringen — einen Pfeil vom Bogen abdrücken und eine runde aus Bast geflochtene Zielplatte sicher treffen.

“Jugendliche Verwegenheit” hieß übrigens auch eine andere Veranstaltung der Tage der slawischen Schriftlichkeit und Kultur. Vom 21. bis zum 23. Mai verlief im Kultur- und Unterhaltungskomplex “Kreml in Ismailowo” das XIII. Überregionale Festival ethnischer Traditionen und Kampfkünste, das den Gästen die Traditionen der alten Rus und Russlands des VIII.-XIX. Jahrhunderts nahebrachte. Kunstfertige Handwerker präsentierten ihre Erzeugnisse, und die Besucher bewunderten die Arbeit der Kettenpanzer- und Waffenmeister, der Töpfer und Holzschneider sowie der Goldstickerinnen. Die “Ratoborzy”, was soviel wie “Kämpfer”, “Streiter” bedeutet, führten historisches Fechten, russischen Ring- und Faustkampf auf. In diesem Jahr wurden auf das übliche Programm auch das Lesginka-Festival, das Lanzenreiter-Turnier und ein feierlicher Trinitatis-Maskenball gesetzt.

Das Festival wurde unter Mitwirkung der Staatlichen Duma der FV der RF, der Regierung Moskaus, des Hauses der öffentlichen Kinderorganisationen der Stadt Moskau, des Ausschusses für überregionale Verbindungen und Nationalitätenpolitik der Stadt Moskau, des FD für Rauschgiftkontrolle zu Moskau und der Russischen staatlichen Universität für Körperkultur, Sport und Touristik durchgeführt.