Im Moskauer Kreml findet die einmalige Ausstellung “Kunst der Höhen Pforte” statt. Die Exposition, die erste für die ganze Geschichte des Museums “Moskauer Kreml”, ist der einzigartigen Sammlung “Türkische Kunst” im Kreml völlig gewidmet. (Pforte: so nannten die Europäer im 17. Jahrhundert die Regierung des Osmanischen Reiches).
Die Grundlage der ausgestellten Sammlung bilden Denkmäler, die im 16. bis 17. Jh. (Zeit der stabilen diplomatischen und kommerziellen Kontakte des Russischen Reiches mit dem Osmanischen Reich; diese Zeit fiel mit der Blütezeit der türkischen Kunst zusammen) hergestellt sind. Die Meisterschaft der unbekannten Handwerker, die in den berühmten Werkstätten des Palastes Topkapa arbeiteten, ist überraschend: man hat den Seheindruck, dass es kein Metall sei, sondern gewebte goldene und silberne Ornamente mit eingesprengten teuren Edelsteinen.
In der Ausstellung sind prachtvolle Muster der türkischen Schutz- und Kampfausrüstung gezeigt: verschiedene Helme und Rüstungen, Schwerte, Säbel, Pallasche, kurze und lange Speere, Keulen, Morgensterne, Buzdurgans, Handbeile, Stemmer (rus. Tschekan) und Kampfhammer. Die Exposition der Ausstellung ist sehr vielfältig. Hier sind nicht nur Waffen, sondern auch andere Erzeugnisse der türkischen Meister dargestellt: Pferdeausstattung, Zaponas (so wurden früher in Russland Schmucksachen universellen Charakters genannt), prachtvolle Gewebe (Fragmente von Brokat und Samt), kristallene Aromatniks (Gefäße für die Aufbewahrung des Blumenöls), Nephritspiegel und sogar Zarenregalien. Es ist auch die prunkvolle Waschgarnitur von Natalia Kirillovna (der Ehefrau von Alexej Mikhajlovich) mit eingelegten Diamanten, Rubinen und Smaragden ausgestellt. Kurz gesagt, ist hier alles dargestellt, was für eine lange Zeit im russischen Zarenhof so gefragt war und für die Gestaltung seiner wichtigsten Zeremonien verwendet wurde. Die meisten Denkmäler sind zum ersten Mal ausgestellt.
Die Ausstellung birgt in sich viele Entdeckungen. Es ist gar nicht allgemein bekannt, dass die Bewaffnung für das russische Heer und fürstliche Personen in Istanbul hergestellt wurde. Auf den Rüstungen prägten die Meister arabische Inschriften. Auf den Waffen (Schwerte und Säbel) konnten dieselben Meister, die Moslems waren, christliche Ikonen eingravieren. Die Zarenregalien für Alexej Mikhajlovich (Reichsapfel und Zepter) wurden auch aus Istanbul gebracht. Sehr symbolisch ist die Tatsache, dass Istanbul (das ehemalige Konstantinopolis) für Russland die Wiege des Christentums war.
Die in der Ausstellung dargestellten Schmucksachen sind Raritäten, einige von denen keine Analoga in anderen Museumssammlungen haben. Gießen, Prägen, Schnitzen, Emaillieren, Schwarz, Punzierung, Vergoldung, Inkrustierung alle diese Bearbeitungsarten wurden oft bei der Herstellung eines Gegenstands verwendet!
In der Ausstelung gibt es Exponate, die die Aufmerksamkeit aller Besucher fesseln: Fächer der Zarin Evdokia Lukjanovna aus schwarzen Straußenfedern; ein Spiegel in goldener Fassung mit Rubinen und Smaragden, der durch seine Pracht und für einen Frauenspiegel nicht typische Maße fasziniert; eine Taschenuhr, deren Mechanismus in Genf und das Gehäuse in Istanbul hergestellt sind und die außer der Uhrskala noch eine Skala für Datum, Wochentag, Monat und Mondphase haben; und natürlich zählt dazu auch der Reichsapfel des Zaren Alexej Mikhajlovich.
Die Ausstellung findet bis 15. März 2009 statt.
Patriarchalpalast, die Kammer Odnostolpnaja (das Museum “Moskauer Kreml”)
Öffnungszeit der Museumskassen: 9:30 — 16:30 Uhr (Freitag — Mittwoch)
Auskunft: Telefon +7 (495) 697-3776. Eine Karte kostet 200 Rubel (keine Rabatte).