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“Lebendige Porträts von Andy Warhol

“Lebendige Porträts von Andy Warhol

Das Moskauer Museum für moderne Kunst bietet eine Ausstellung, die dem 80-jährigen Jubiläum von Andy Warhol (1929 — 1987) gewidmet ist. Andy Warhol ist der bekannteste avantgardistische Maler Amerikas, Regisseur, Party-König, Super-Star des Undergrounds der 60er und 70er Jahre, eines der Symbole der Weltkultur des 20. Jahrhunderts.

Andy Warhol hat nicht nur das berühmte Porträt von Marilyn Monroe, die Buchse der Campbell-Suppe und Langmetragefilme geschaffen. Er erweiterte ständig die Grenzen seiner Kunst und suchte nach etwas Neuem. Seine Karriere war der Weg vom Illustrator im Bereich Werbung zum radikalen Bahnbrecher, vom Filmschaffenden zum Porträtmaler, vom Beobachter zum weltweit anerkannten Künstler.

Seine Werke schuf Andy Warhol in der Factory, dem unrühmlich bekannten Studio in der 47th Street in New York, das eher einem belebten Kulturzentrum als einer stillen Künstlerwerkstatt ähnlich war. Am selben Ort experimentierte er in den Jahren 1964 bis 1966 mit Video-Porträts, indem er ca. 500 schwarz-weiße Stummfilme (“Kinoproben”) schuf. Als er seine Video-Porträts zu drehen begann, gab es noch den Begriff “Video-Art” nicht. Die Hauptpersonen der Kinoproben waren Fotomodelle und Künstler, Schauspieler und Sänger, Schriftsteller und Dichter sowie Warhols Freunde, deren Kreis sehr vielfältig war.

“Lebendige Porträts von Andy Warhol

Die Besucher der Ausstellung haben die Möglichkeit, Porträts von vielen Berühmtheiten zu sehen: Dennis Hopper (Schauspieler und Regisseur, der 1969 den kultigen Film “Easy Rider” gedreht hat; die ersten Rollen spielten seine nahen Freunde Jack Nicholson und Peter Fonda), Edie Sedgwick (Schauspielerin und Weltdame), Jane Holzer (Schauspielerin und Modell), Nico (Sängerin und Fotomodell, hat einige Lieder für den Debütalbum der Band The Velvet Underground (deren Producer Warhol war) gesungen), Ad Sanders (Dichter und Publizist) und anderer ebenso interessanter Repräsentanten der amerikanischen Boheme der 60er Jahre.

Die Kinoproben wurden in den Kellern von MoMa (The Museum of Modern Art, New York) zwanzig Jahre aufbewahrt, dann wurden sie als Video mit der Geschwindigkeit 16 Bilder pro Sekunde (laut der Idee von Andy Warhol selbst) wiedergegeben und 2003 in der Ausstellung “Andy Warhol: Screen Tests” im MoMa dargestellt. Während der letzten fünf Jahre hat die Ausstellung “Lebendige Porträts” Nordamerika und Westeuropa bereist.

“Lebendige Porträts von Andy Warhol

Die besten Kinoproben sind nach Moskau gekommen und in den Sälen des Staatlichen Museums für moderne Kunst der Russischen Kunstakademie im Gogolevskij Boulevard ausgestellt. Die schwarz-weißen Porträts werden an flachen Bildschirmen ununterbrochen wiedergegeben und an die Wände projiziert. Die “lebendigen” Bilder sehen so aus, als wandten sie sich an den Zuschauer: sie lächeln, blinzen zu, lecken sich die Lippen. Besonders anziehend sind für die Zuschauer der kopfunter umgekehrte Dali, die Frau mit Tränen im Gesicht, die sich die Zähne putzende Blondine... Eine besonders große Besucherzahl ist am Porträt zu sehen, das ein sich entzückt küssendes Liebespaar (Mann und Frau) darstellt. Das Liebespaar wechselt dann mit zwei Männern.

In der Ausstellung kann man sich auch am Empire State Building — dem berühmten amerikanischen Wolkenkratzer — ergötzen. In der Originalversion dauert der film acht Stunden. Eigens für das Projekt “Lebendige Porträts” hat man ihn bis auf 40 Minuten gekürzt. Dunkles Zimmer, volle Stille, Nacht als Untergrund — der Zuschauer sieht nur die aufgehellte Spitze von Empire und nichts mehr. Gar nicht jeder kann den Wolkenkratzer in dieser “Schminke” erkennen, obwohl die Spitze schon längst ein Symbol von New York geworden ist.

Ein Spiel von Licht und Schaden, Schwarz und Weiß — es reicht! Einfach und genial!

Die Ausstellung wird bis zum 8. Februar 2009 dauern
Staatliches Museum für moderne Kunst der Russischen Kunstakademie
Gogolevskij Boulevard 10
U-Bahnstation Arbatskaja
Auskunft: +7 (495) 694-6660
Öffnungszeiten: 12:00–20:00 Uhr (Montag — Sonntag)
Schließtag: der letzte Montag jedes Monats
www.mmoma.ru