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Moskau übernimmt Erfahrungen mit Betriebskindergärten
Moskau setzt den Bau neuer Kindergärten fort. Vor der Krise stellte die Stadt rund hundert neue Vorschuleinrichtungen fertig. 2010 ist die Übergabe von 45 Neubauten geplant, 2011–2012 jedoch sollen 214 Kindergärten errichtet werden. Einen wichtigen Impuls für die Entwicklung der Moskauer Vorschuleinrichtungen setzte die I. UNESCO-Weltkonferenz über frühkindliche Förderung und Erziehung, die in der russischen Hauptstadt stattfand. Derzeit sind in Moskau im Rahmen des Programms „Die Moskauer Bildung: vom Kleinkindalter bis zur Schule“ 17 Ressourcenzentren der UNESCO in Betrieb. Sie entwickeln neue Richtungen in der Vorschulbildung und veranstalten Seminare, Runde Tische und Konferenzen für den Erfahrungsaustausch mit Erziehern, die diese einzigartigen Erfahrungen umsetzen möchten.
Seit 2000 steigt in Moskau die Geburtenzahl, weshalb auch mehr Vorschuleinrichtungen erforderlich sind. Um den Bedarf zu decken, initiiert die Moskauer Stadtregierung neue Lösungswege nach den Erkenntnissen aus den internationalen Erfahrungen. Es wurde bereits viel Arbeit bei der Schaffung von Vorschuleinrichtungen neuen Typs geleistet. Dabei handelt es sich um Kindertagesgruppen, Lekotheken (Abteilungen für Kleinkinder) und Spielzentren, in denen auch Eltern, die keinen vollen Kindergartenplatz für ihre Kinder bekommen können oder wollen, das Kind fördern und ihm Kontakt zu Gleichaltrigen ermöglichen können.
Bald sollen in Institutionen und Unternehmen auch Betriebskindergärten eingerichtet werden. Beim Besuch des UNESCO-Gebäudes in Paris wunderten sich die Vertreter der russischen Delegation über die Anwesenheit von Kindern in einem Bürogebäude. Es erwies sich, dass die UNESCO über einen Betriebskindergarten verfügt. Dabei handelt es sich um eine Form der Vorschulerziehung, bei der sich Kinder in einem Gebäude mit den berufstätigen Eltern befinden können. Nach dem Vorbild dieses Kindergartens griff das Bildungsdepartment diese Idee auch für Moskau auf. Das Department plant, bei großen Bürogebäuden und Einkaufszentren Betriebskindergärten mitfinanziert aus dem Stadtbudget einzurichten.
Die fortschrittlichsten Firmen haben schon lange spezielle Kinderräume bereitgestellt, in denen die Mitarbeiter ihre Kinder vorübergehend zur Betreuung abgeben können, aber das ist nur eine Privatinitiative. Nunmehr handelt es sich um eine öffentlich-private Partnerschaft. Um berufstätige Eltern zu unterstützen und Vorschulbildung zugänglich zu machen, sollen Betriebskindergärten als Filialen von staatlichen Vorschuleinrichtungen, die zum System des Bildungsdepartments der Stadt Moskau gehören, gegründet werden. Nach Angaben des Departments sind 20% der in der Hauptstadt befragten 74 großen Unternehmen an der Einrichtung von Betriebskindergärten interessiert. Ein solcher Kindergarten ist für mindestens 10 Kinder vorgesehen, wobei in jeder dieser Einrichtungen auf 15 Kinder zwei Erzieher und ein Leiter kommen müssen. Gemäß dem Plan kann das Unternehmen zusätzliche Planstellen und zusätzliche Bildungs- und gesundheitsfördernde Programme einführen, die von dem Unternehmen selbst finanziert werden.
Der Idee der Betriebskindergärten gingen die in gewöhnlichen Wohnungen eingerichteten Familienkindergärten voraus. Eine solche Vorschuleinrichtung können praktisch alle Eltern bei sich zu Hause eröffnen. Zwingende Voraussetzung dafür sind jedoch Vorbereitungs- und Weiterbildungskurse im Moskauer Institut für offene Bildung. Außerdem muss der Raum den Hygienevorschriften entsprechen. Das gilt vor allem für die Wohnungsgröße. Die Wohnung muss über einen Unterrichts- und Essraum und über abgetrennte Schlafplätze für jedes Kind verfügen. Die Bedingungen werden von einer Kommission des städtischen Bildungsdepartments überprüft. Der Familienkindergarten wird obligatorisch dem staatlichen angegliedert und dessen Struktureinheit, wobei die Mutter (oder der Vater) die offizielle Funktion eines Erziehers erhält. Der Erzieher darf außer dieser keiner anderen Erwerbstätigkeit nachgehen. Bei der Aufnahme der Kinder wird darauf geachtet, dass der Altersunterschied nicht mehr als 1–2 Jahre beträgt.
Die Erzieher stimmen das Unterrichtsprogramm für die Kinder mit der Einrichtung ab, der sie angegliedert sind. Somit durchläuft das Kind die gleichen Entwicklungsetappen wie in einem gewöhnlichen Kindergarten. Dabei kann der Unterricht im Familienkindergarten sowohl zu Hause als auch im Gebäude der Einrichtung, zu der er gehört, stattfinden. Wenn diese Einrichtung beispielsweise über ein Schwimmbad verfügt, kann dieses auch von den Kindern aus dem Familienkindergarten besucht werden. Heute gibt es in Moskau bereits rund 300 Familienkindergärten.
Veraltete Formen der Vorschulbildung gehören der Vergangenheit an. Das ist nicht weiter verwunderlich, da, wie die Leiterin des Bildungsdepartments der Stadt Moskau, Olga Larionowa, erklärt, sich in den letzen Jahren die Zusammensetzung der Erzieher und Leiter der Kindergärten beträchtlich verändert hat. Während noch vor zehn Jahren die Leiter mittlere Bildung besaßen und sich die Arbeit auf längst überholte Methoden stützte, verfügen heute 97% der Kindergartenleiter über Hochschulbildung, wobei unter ihnen nicht selten sogar Doktoren der pädagogischen Wissenschaften zu finden sind. Dadurch wird natürlich das Unterrichts- und Erziehungsniveau angehoben.
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