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Neuerungen im Moskauer Elementarbildungswesen

Neuerungen im Moskauer Elementarbildungswesen

In Moskau wurde das städtische Zielprogramm „Die hauptstädtische Bildung – 5“ für die Bildungsentwicklung 2009–2011 verabschiedet. Hauptziel des Programms sind Innovationen im Bildungswesen der Hauptstadt.

Das ihm vorangegangene Programm „Die hauptstädtische Bildung – 4“ wurde im Wesentlichen erfüllt. Eine Reihe von Zielen wie Festigung der materiell-technischen Basis, Abriss oder Renovierung von aus der Vorkriegszeit stammenden Schulen, Vermeidung von Warteschlangen für Plätze in Vorschuleinrichtungen oder neue Ausrüstung für Schulen wurden neben anderen wichtigen Zielen in das Programm „Die hauptstädtische Bildung – 5“ verschoben.

Das Programm „Die hauptstädtische Bildung – 5“ sieht eine Weiterentwicklung der allgemeinen Bildung vor. Nunmehr sollen alle Oberstufenklassen der Moskauer Schulen zur Fachausbildung übergehen, was mit einer entsprechenden Ausstattung, Programmen und einer Weiterbildung der Lehrkräfte verbunden ist. Es ist ein Internet-Förderungsprogramm für Kinder angelaufen. Die Kinder können sich mit den Lehrkräften individuell beraten und im Internet Fragen stellen.

Bis 2012 soll in allen 9. Klassen die Einheitliche Staatliche Abschlussprüfung (EGE) eingeführt sein. Die Abgänger von Schulen, die nach dem Lehrplan für die mittlere vollständige (allgemeine) Bildung unterrichten, eine staatliche Zulassung besitzen, unabhängig von ihrer Rechtsform und der Stelle, der sie unterstehen, und sich im Moskauer Stadtgebiet befinden, legen eine Abschlussprüfung in Russisch und Mathematik in Form der EGE ab. Absolventen von allgemein bildenden Schulen, die die EGE ablegen, erhalten nach allen Prüfungen ein Zeugnis über die mittlere (vollständige) allgemeine Bildung und eine Bescheinigung über die Ergebnisse der in Form von Multiple-Choice-Tests abgelegten Einzelprüfungen. In der Bescheinigung wird die Punktezahl in jedem allgemein bildenden Gegenstand, in dem die Prüfung in Form der EGE abgelegt wurde, angeführt. Ab 2008 endet die Gültigkeit der Bescheinigung über die Ergebnisse der EGE am 31. Dezember des Jahres nach dem Jahr ihrer Ausstellung.

Das städtische Zielprogramm sieht viele Neuerungen vor. So erhält nun jeder Moskauer Schüler ein „Portfolio“, eine Mappe mit Unterlagen, die über die individuellen Erfolge des Schülers Auskunft geben. Dabei handelt es sich nicht nur um Unterlagen über den Lernerfolg, sondern auch um solche, die sportliche Erfolge des Schülers, die Teilnahme am Gemeinschaftsleben, zusätzliche Bildung und seine Interessen erfassen. Es gibt Schulen, die im Kontakt mit den Eltern der Schüler auf die moderne Technik zurückgreifen. Beispielsweise erhalten die Eltern eine Bestätigung per SMS, dass ihr Kind zum Unterricht erschienen ist. Die Eltern können über die Webseite der Schule Einsicht in Klassenbucheintragungen nehmen, die ihr Kind betreffen. Es gibt jedoch noch wenige derartiger Schulen, etwa 5% der Gesamtzahl.

Die gesamte Mittelschule steigt auf berufliche Bildung um. Die Schüler sollen bereits in der Grundschule eine entsprechende Wahl nach ihren Neigungen treffen.

Leider bietet ein Hochschulabschluss keine Garantie für einen gut bezahlten Arbeitsplatz in der jeweiligen Fachrichtung. Moskau übernimmt ausländische Erfahrungen, um dieses Problem zu lösen. Es wird das System einer berufsorientierten Ausbildung ins Leben gerufen, an dem auch die Arbeitgeber mitwirken sollen. Moskau prüft insbesondere die Erfahrungen Deutschlands, wo die so genannte duale Ausbildung eingeführt ist, die aus einer schulischen und einer betrieblichen Ausbildung besteht. Der betriebliche Teil wird von den Betrieben, den potenziellen Arbeitgebern, vermittelt.

Den umfangreichsten Abschnitt im Bildungsentwicklungsprogramm nimmt die Vorschulbildung ein. Hauptziel ist hier, nicht nur die erforderliche Anzahl von Kindergärten zu errichten, sondern die Vorschulbildung auch auf ein völlig anderes Niveau hinsichtlich der kindlichen Entwicklung zu heben.

Eine Richtung, der besondere Aufmerksamkeit gewidmet wird, ist der Unterricht behinderter Kinder. Dabei geht es auch um die Unterstützung von Schulen, in denen integrierter Unterricht stattfindet, d. h. das behinderte Kind in einer gewöhnlichen Klasse lernt, aber auch um den Ausbau von Formen des Fernunterrichts.

Das Ziel der Autoren des Programms besteht darin, begabte Kinder zu finden und zu fördern. Förderung erhalten begabte Kinder über ein System von speziellen Zentren wie etwa das Zentrum „Intellekt“, das Wissenschaftszentrum im WWZ (Allrussisches Ausstellungszentrum), das 2009 eröffnet werden soll, oder das Raumfahrtzentrum.

Um trotz der Wartelisten für Kindergartenplätze Vorschulbildung zugänglich zu machen, wurden neue Möglichkeiten geschaffen, um die Kinder außerhalb des Kindergartens zu unterrichten. So wurden neue Spielzentren, Frühförderungsstellen, Lekotheken (Abteilungen für Kleinkinder) und Kindertagesgruppen eingerichtet. Kinderreiche Familien können zu Hause einen Kindergarten eröffnen. Ein derartiger Familienkindergarten befindet sich in der Wohnung einer kinderreichen Familie, die mindestens drei Kinder im Alter von zwei Monaten bis sieben Jahren hat. Dabei wird er offiziell einem gewöhnlichen Kindergarten angegliedert, der die Tätigkeit des Familienkindergartens kontrolliert und zu dessen Personal der Erzieher gehört. So sammelt eine kinderreiche Mutter praktische Erfahrungen in einem pädagogischen Beruf, die als Berufsjahre angerechnet und in ihr Arbeitsbuch eingetragen wird, und bezieht ein Gehalt von bis zu 10 000 Rubel. Darüber hinaus werden für die Verpflegung jedes Kindes Mittel aus dem Moskauer Budget bereitgestellt.

Zwischen der UNESCO und Moskau wurde eine Kooperationsvereinbarung unterzeichnet. Teil dieser Vereinbarung ist das Projekt „Bildung vom Kleinkindalter bis zur Schule“. Es wurden bereits 15 Zentren eingerichtet, die verschiedene Richtungen der frühkindlichen Förderung ausgewählt haben. 2010 findet unter der Ägide der UNESCO die Weltkonferenz in Moskau statt. Bis dahin soll nach den Plänen des Bildungsdepartments der Stadt Moskau die Tätigkeit der Vorschuleinrichtungen beträchtlich verbessert werden.

* Quellen: Webseite des Komitees für Telekommunikation und Massenmedien , und der Nachrichtenagentur RIA NOVOSTI 
* Foto: ITAR-TASS